Dienstag, 12. April 2011

Durban: Eine unterschätzte Stadt?


Nach der Abreise meiner Eltern Richtung Kapstadt machte ich mich auf den Weg nach Durban. Auf der Reise hatte ich nicht viel Gutes über die Stadt am Ozean gehört. Es soll nicht besonders schön und außerdem gefährlich sein (hohe Kriminalitätsrate). Einige Tage, bevor ich mich jedoch auf den Weg nach Durban mache höre ich, dass es vieles Sehenswerte gibt und gar nicht so gefährlich ist. Es ist also wie immer: Jede/r erzählt etwas anderes und es liegt bei mir, es herauszufinden.


 Um es vorweg zu nehmen: Ich fand das, was ich von der Stadt gesehen habe super. Nun bin ich auch kein Landei und habe nicht kategorisch etwas gegen Städte sondern fühle mich dort oft wohl, genieße die Vielfalt und das Angebot in greifbarer Nähe. Aber Durban hat noch mehr. Es ist eine verhältnismäßig große Stadt (3,5 Millionen Einwohner/innen), sehr indisch geprägt, mit einem schönen Stadtstrand, an dem ich sogar surfen könnte, wenn nicht gerade Sturm wäre und die Wellen ein einziges Chaos bildeten. Es wäre auch ein schöner Ort, um hier für eine Weile als Segellehrer zu arbeiten…

Ich komme bei Matt unter, einem sehr entspannten New Yorker Couchsurfer, der mich und Jenn, ebenfalls eine Couchsurferin aus New York, in seinem geschätzt nur 12 Quadratmeter Studentenzimmer beherbergt. Matt, der International Development studiert und auch sonst irgendwie auf meiner Wellenlänge zu sein scheint, nimmt uns abends nach seinem Rugbytraining mit auf eine Party. Wir haben eine Menge Spaß und lernen viele Leute kennen, bevor wir nebeneinander im Club einpennen.

Den nächsten Tag verbringen Jenn und ich damit, Durban bei schlechtem Wetter zu besichtigen. Mir verdeutlicht sich der Eindruck, den ich schon die ganze Zeit in Südafrika und besonders am Tag zuvor beim Einfahren in die Stadt erahnt hatte: Das ist doch nicht Afrika hier, oder? Die Infrastruktur ist erste Sahne, meist Drei- oder noch mehrspurige Straßen, das Stadtbild westlich modern und dann so viele indisch aussehende Menschen hier. Jenn meint, es sei die größte indische Community außerhalb Indiens. Wir gucken uns die größte Moschee so weit im Süden Afrikas an. Unkleverer Weise an einem Freitagmittag. Wie bekloppt und dass das mir passiert… Danach geht es auf einen Touri- und einen einheimischen Markt. Auf Letzterem werden traditionelle Heilungsmittel, wie Schlangenhäute, Hasenfüße usw. verkauft. Im Anschluss gucken wir uns noch den Hafen an und eine Kunstgallerie.


 Am nächsten Morgen wollen Jenn und ich eigentlich noch ins Aquarium, das drittgrößte der Welt. Aber zum einen ist die Zeit knapp und zum anderen lockt der Strand bei 1A-Wetter dazu ein, das Aquarium links liegen zu lassen. Wir verbringen also den Vormittag am Strand und im Wasser, bevor wir uns auf den Weg Richtung Lesotho, dem zweiten kleinen Königreich machen, das von Südafrika umschlossen wird. Da Jenn in die gleiche Richtung wie ich unterwegs ist und außerdem ganz nett ist, sind wir nun für ein paar Tage zu Zweit im Auto. Und was Durban angeht muss ich muss Matt zustimmen: Es ist eine Stadt, die unterschätzt wird…

Familie Schmoldt reist durch Südafrika


Vom Kruger Park machten wir uns auf den Weg nach Swasiland, einem von drei verbliebenen Königreichen Afrikas. Dort übernachteten wir in einer sehr luxuriösen Lodge. Ohnehin wurde mir allmehlich klar, dass ich die nächsten paar Tage weder selbst kochen noch in meinem Dachzelt schlafen würde sondern eher zwischen den Leckereien der Buffets der besten Lodges auf unserem Weg auswählen kann.


 Am nächsten Morgen entschieden wir uns dazu, nicht in das Mkhaya Game Reserve zu fahren. Die Reiseführer priesen einen anderen Nationalpark in Südafrika unweit der Küste an. Also beschlossen wir Swasiland schon wieder zu verlassen und uns in Richtung Hluhluwe-Imfolozi Nationalpark zu machen. Das war leider ein Fehler, denn obwohl die Unterkunft wieder erster Klasse war, bekamen wir am nächsten Tag auf dem Gamedrive nicht wirklich viel zu sehen. Wahrscheinlich hatten wir einfach kein Glück. Neben den Reiseführern hatten auch die Safariguides bestätigt, dass man ziemlich viele Tiere zu sehen bekommt. Offenbar mögen die Tiere jedoch das schlechte Wetter (es regnete und windete) ebenso wenig, wie wir. Sie seien wohl alle irgendwo im Busch, wie man uns sagte. Anscheinend kann man es ihnen aber auch nicht recht machen. Denn Sonne und Hitze mögen sie ja auch nicht, weshalb Gamedrives oft morgens und abends stattfinden müssen. Am Nachmittag konnten wir dann wenigstens noch ein Nashorn sehen, einer der Hauptgründe, weshalb wir überhaupt noch mal in einen Nationalpark wollten.


 Im Anschluss an diesen Tag verbrachten wir noch zwei Tage am Strand. Leider kamen wir nicht mehr dazu zu schnorcheln und auch das Wetter hätte besser sein können. Aber insgesamt war es eine wirklich schöne Zeit. Vielen Dank dafür an meine Eltern!!! Die beiden sind nun in Kapstadt und machen noch eine Tour durch Südafrika, bevor sie wieder nachhause fliegen.

Dienstag, 5. April 2011

Kruger Park/ Südafrika

Einen Abend nach meiner Einfahrt nach Südafrika traf ich meine Eltern an einem Gate des Kruger Nationalpark. Sie begrüßten mich am Hoteleingang und wir aßen erst mal richtig gut zu Abend. Ohnehin sollte sich das Level der Unterkünfte und der Verpflegung in den darauffolgenden Tagen weitaus von dem abheben, was ich in den letzten sechs Monaten gewohnt war :)



Am nächsten Morgen ließen wir uns von einem Ranger in einem offenen Safariauto abholen und fuhren auf Gamedrive.  Dabei hatten wir nicht besonders viel Glück. Der Ranger war an Unfreundlichkeit kaum zu toppen. Bevor es losging stellte er unmissverständlich und herablassend klar: „Sie werden vielleicht nichts zu sehen bekommen und fragen Sie mich nicht, wo der Löwe ist. Ich weiß es auch nicht!“ Na das kann ja nett werden… Im Endeffekt bekamen wir auch nicht allzu viele Tiere zu sehen.





Am Nachmittag fuhren wir dann selbst auf Gamedrive mit dem Toyota Yaris Mietwagen meiner Eltern und hatten ein wenig mehr Glück (Mein Auto ist zum Zweisitzer umgebaut...). Wir konnten ein Hippo sehen, einige Giraffen, eine Vielzahl von Elefanten und sogar drei Nashörner, wenn auch nur aus der Entfernung.



Am nächsten Tag machten wir es ebenso und bekamen neben dem oben genannten auch noch eine dösende Löwin vor die Linse. Insgesamt ist Kruger ein schöner Park. Allerdings scheint zu stimmen, was ich vorher schon so oft gehört habe: Der Park ist ziemlich voll (von Tourist/innen) und für einen Nationalpark sehr gut ausgebaut (fast alles Asphaltstraßen). Hingegen bekamen wir nicht allzu viele Tiere zu sehen. Die Parks in denen meine Eltern und ich vor zwei Jahren in Kenia waren hatten in dieser Hinsicht mehr zu bieten.

Mittwoch, 30. März 2011

Willkommen im Herzen des Rassismus???


Bei Abfahrt aus Bulawayo war ich noch guter Dinge. Ein schöner Morgen, mit strahlendem Sonnenschein. Das sollte sich bald ändern. Nicht das Wetter, aber mein Gemütszustand. Die Polizisten an diesem Tag gaben sich alle Mühe, das zu erreichen. Noch in Simbabwe versuchten sie mir unzählige Male irgendetwas Fadenscheiniges anzuhängen, um mich auszunehmen. Mal war es etwas an meinem Reifen, mal ein Schild, das ich übersehen hätte, obwohl es gar nicht da ist. Jedes Mal also diskutieren und gute Miene zum bösen Spiel zeigen, um dann jedes Mal weiterfahren zu dürfen. Denn zur Polizeistation fahren und mit dem jeweiligen Boss reden, darauf hatte keiner von ihnen Lust. Ich hatte allmählich genug von Simbabwe und seinen Polizisten und wollte nach Südafrika.

Wie mir schon berichtet wurde, war der Grenzübergang an der Breitbridge etwas nervig. Alle unfreundlich, keiner kompetent und das auf beiden Seiten der Grenze. Dafür ging es schneller als von vielen Reisenden angekündigt. Kurz nachdem ich die Grenze zu Südafrika überquert hatte, las ich zwei Hitchhiker auf: Ein weißes Pärchen aus Jo-Burg, das auf der Heimreise war. Zwei etwas unangenehme, wenn auch völlig harmlose Gestalten, wie ich bald feststellte. Ich machte gleich klar, dass, wenn wir angehalten werden, weil ich nur einen Sitz habe, sie zahlen müssten. Sie nickten nur. Wenige Kilometer später hielt uns ein Polizist an, der mir erklärte, ich dürfe so nicht fahren. Ich wandte mich an die beiden Mitfahrer und sagte ihnen, dass das nun ihr Problem sei. So leicht war es aber nicht, denn der Bulle wollte umgerechnet mehr als 150€ haben und die beiden hatten exakt gar nichts. Als Alternative stellte der Bulle mir eine Nacht Knast in Aussicht. Na toll. Ich konnte mir zwar schon denken, dass es nicht so weit kommt, aber angenehm ist es trotzdem nicht. Meine Ankunft im wunderschönen Land Südafrika, dem letzten auf der Reise, hatte ich mir anders vorgestellt.

Der weiße Südafrikaner redete einige Male vergebens auf den Bullen ein, so dass ich es dann mal versuchte. Immerhin hatte es am selben Tag schon so einige Male geklappt. Ich erklärte ihm, dass ich den beiden einen Gefallen tun wollte und nichts Böses vorhatte und dass er uns doch nun insofern einen Gefallen tun könnte, als dass er das Ticket auf meinen Mitfahrer ausstellt, der es dann später begleicht (ich kann es als Ausländer naturgemäß nur sofort bezahlen). Der Bulle schaltete aber auf stur und blieb arrogant und herablassend. Dann setzte er noch einen drauf und meinte, ich wolle ihn belehren und würde das nur machen, weil ich weiß und er schwarz sei. Er fing an laut zu werden und faselte ununterbrochen etwas von Rassismus und dass ich ja ohnehin sehr jung sei. Wenn er wollte, könnte er mich für eine Woche einsperren. Mir solle klar werden, dass er die Macht und das Recht dazu hätte, über mich zu verfügen. Im Endeffekt musste ich mich entschuldigen und mir noch mehrere aneinandergereihte Monologe seiner kranken Ideologie anhören. Irgendwann, als er langsam nach Hause wollte, bot er dann an, natürlich durch die Blume, sich bestechen zu lassen. Ich gab ihm, wie der weiße Südafrikaner mir empfahl, umgerechnet 16€, wünschte ihm in Gedanken die Cholera an den Hals und dann konnte es endlich weitergehen.

Die Krönung kam, als ich die beiden Mitfahrer absetzte. Ihr Freund sollte eigentlich die Schulden begleichen, doch der hatte auch kaum etwas. Zunächst wollte mir dieser etwas unfreundliche Zeitgenosse sogar noch erklären, dass der Bulle uns wegen etwas ganz anderem angehalten hätte. Mein Auto sei auf den Straßen Südafrikas nicht zugelassen, ich solle also froh sein, dass ich nicht in den Knast gewandert bin und überhaupt seien die Beiden gar nicht schuld. Diesen Zahn zog ich ihm schnell. Dass ich seinen Freunden helfen wollte, dafür diskriminiert wurde und blechen musste, konnte auch er bald nicht mehr leugnen. Aber genauso schnell wurde mir bewusst, dass ich an eine Gruppe Pleitegeier geraten war. Denn im Anschluss an diesen Vortrag kam die „Ich bin so arm Nummer“, in der er mir sein letztes Geld anbot. Umgerechnet zwei Euro davon nahm ich auch, bevor ich mich wieder auf den Weg machte. Auf die Frage hin, ob es hier eine günstige Campingmöglichkeit gebe, schlug er mir eine Campsite für 10€ vor. Ich erwähnte, dass im Reiseführer eine für 6€ sei. Das stimmt, die sei aber nur für Schwarze. Aha. Hoffentlich geht das nicht so weiter. Und wenn, dann sollen die Südafrikaner/innen ihren Rassismus unter sich ausmachen und mich da raus lassen!

Vic Falls und Bulawayo


Nachdem ich an den Victoria Falls angekommen war, checkte ich für die erste Nacht bei einem Backpacker Hostel als Camper ein, wo ich zwei Schwedinnen kennenlernte. Sie sind Journalistinnen, und haben eine ähnliche Route wie ich hinter sich. Allerdings sind sie mit dem Rucksack bzw. Flugzeug und dafür etwas zügiger unterwegs. Mittlerweile haben sie sich schon für ein paar Monate in Namibia niedergelassen, von wo aus sie arbeiten. Zu Dritt machten wir uns am nächsten Morgen auf zu den Fällen.


 “Victoria Falls is the largest, most beautiful and majestic waterfall on the planet, and is the Seventh Natural Wonder of the World as well as being a Unesco World Heritage Site. A trip to Southern Africa would not be complete without visiting this unforgettable place.” Eine Million Liter Wasser fallen an ihnen pro Sekunde die 108 Meter herunter auf einer Länge von 1,7 Km.


 Zurzeit hat der Zambezi, der zu den Fällen gehörende Fluss, eine Menge Wasser, es ist Regenzeit. Daher hat man an manchen Stellen bei der Besichtigung einige Probleme, die Fälle in ihrem ganzen Ausmaß zu sehen. Denn die Gischt sprüht dermaßen weit wieder hoch, dass man sprichwörtlich im Regen steht und kaum noch etwas sieht. Man wird so dermaßen nass, dass es nicht mehr nur so wirkt, als hätte man einen Regenschauer abbekommen, sondern als sei man in einen See gefallen. Aber das hat auch etwas. Wir pirschten uns step by step von einem Aussichtspunkt zum nächsten und waren stets von neuem von der starken Gischt überrascht. Deutlich beeindruckender war jedoch, was wir von den Fällen trotz Gischt zu sehen bekamen. Sie sind wirklich ein Weltwunder!


 Am gleichen Abend fuhren wir dann, begleitet von einem Local, zu einem Fußballspiel, bei dem zwei lokale Teams gegeneinander antraten. Cowboy, so nennt sich der lustige Typ (er trägt auch immer einen Cowboyhut), der uns den Abend vorher schon begleitet hatte, sorgte dafür, dass uns die meisten anderen Locals, von denen eine nicht unerhebliche Zahl einen im Tee hatte, in Ruhe ließen. Naja, den Schwedinnen wurde schon so einige Male ein Antrag mit Bierfahne gemacht… Das Spiel war recht interessant und endete mit einem Elfmeterschießen. Dabei standen die Zuschauer/innen direkt neben den Schützen bzw. Torwärtern, an einer gedachten Linie entlang der Pfosten. Ich hätte bei dieser Zuschauermenge und –nähe wohl danebengeschossen. Diese Jungs trafen aber immer, bis auf einer, der drüber schoss. Die darauffolgende Begeisterung unter den Fans war groß und sie begannen, die Mitglieder des Teams in die Luft zu werfen. Weniger groß war jedoch die Begeisterung der vegetarischen Schwedinnen, als die jubelnde Menge auch ein völlig verängstigtes Schaf in die  Luft schleuderte, das das Siegerteam gewonnen hatte.

Später am Abend fuhr ich dann zu der Couchsurferfamilie, die mich für diese Nacht beherbergte (Am Tag davor waren sie nicht zuhause.). Es ist eine simbabwische Familie, mit einem riesen Anwesen auf dem ein sehr schönes Haus steht. Nach dem Abendessen unterhielten wir uns noch bis spät in die Nacht über Simbabwes Situation und ich bekam einige sehr interessante Einsichten in das Leben und die Politik im Land.


Bulawayo

Am darauffolgenden Morgen fuhr ich, mit den beiden Schwedinnen auf dem Beifahrersitz, nach Bulawayo, der zweitgrößten Stadt Simbabwes. Auch hier beherbergte mich eine Couchsurferfamilie. Er ist Simbabwer und Musiker von Beruf und sie ist Kanadierin und Küstlerin. Sie haben eine kleine Tochter, die sie aber zu den Großeltern ausquartiert haben, um mich zu beherbergen. Ihre Wohnung hätte man genauso, wie sie in Bulawayo steht, auch in Berlin Friedrichshain finden können. Die Wände waren selbst bemalt und teilweise mit Lebensphilosophien beschrieben, eine Menge Kunst und eine Vielzahl von einfallsreichen Postkarten hingen an der Wand, wie es sie oft in Bars zum mitnehmen gibt.

Abends nahmen sie mich mit auf ein Bier mit Freunden. Es sollte die bunt gemischteste und internationalste Bierrunde werden, die ich auf der Reise bisher erlebt habe. Und das will etwas heißen. Neben mir und den beiden Couchsurfern, waren da noch die beiden Schwedinnen, eine Französin, die für das staatliche Kulturinstitut arbeitet, ein katholischer Priester aus Polen mit Dreadlocks, der dafür sorgte, dass nie ein Glass der am Tische Sitzenden leer war, zwei katholische Priester aus Indonesien und eine Britin, die auch irgendeiner Tätigkeit in Simbabwe nachgeht. Es wurde ein langer Abend.

Montag, 28. März 2011

Das hatte ich mir anders vorgestellt


Simbabwe ist, nach allem, was ich in vier Tagen sehen und erleben konnte, ganz anders, als ich es erwartet hatte. Meine Vorstellung war auf ein bitterarmes Land zu treffen, in dem, überspitz gesagt, neben wenigen steinreichen Leuten, der Rest der Bevölkerung Hunger leidet. Außerdem hatte ich viel Chaos und Durcheinander erwartet, gerade nach Simbabwes jüngster Vergangenheit. Hatte doch die Hyperinflation die Wirtschaft zum Zusammenbruch gebracht und die Regierung gezwungen, den US Dollar einzuführen. Außerdem schockte die Krankheit Cholera das Land vor einigen Jahren und riss ca. 40.000 Menschen in den Tot. Ich erinnere mich noch gut, dass wir damals bei Oxfam Nothilfeprojekte in Simbabwe unterstützten. Ich entschied mich aber für die Fahrt durch das Land, weil ich auch von allen Reisenden gehört hatte, dass Simbabwe mittlerweile wieder sehr sicher ist, Diesel auch wieder allgemein verfügbar ist und die Menschen überaus freundlich sind. Außerdem sei es unbeschreiblich schön und weniger touristisch als viele andere Routen in der Gegend.

Zunächst überraschte mich der simbabwische Grenzposten. Alles ging sehr geordnet, fast preußisch zu und die Beamt/innen begegneten mir in sehr gutem Englisch (Einreise: 30 USD ich, 25 USD irgendwelche Gebühr fürs Auto). Doch nicht nur das, hier wollten sie plötzlich, zum ersten Mal auf der Reise, alle Dokumente sehen. Da wir in Äthiopien bei dem Kauf der Versicherungskarte nicht alle der Länder auf die Karte gedruckt bekamen, durch die ich jetzt reise (nur Gott weiß warum), half mir Holgers Freundin später, sie etwas… sagen wir, zu modifizieren. Zwar merkte das hier, wie auch sonst schon, niemand. Was jedoch völlig neu ist: Plötzlich wollten sie auch den Fahrzeugschein sehen.

Nun ja, der wurde Henrik ja mit allen anderen Dokumenten in Äthiopien geklaut. Aber ich habe eine Kopie einer Bescheinigung der kenianischen Polizei über diesen Verlust. Ja, richtig ist auch, dass das gar nicht mein Auto, gar nicht mein Carnet de Passage (eine Art Zolldokument) ist. Ich bin nicht mal der Jenige, dem die Dokumente abhanden gekommen sind und dessen Name auf dem Verlustdokument steht. Dafür wiederum habe ich eine Vollmacht, ausgestellt vom ADAC, die mir erlaubt, dieses Fahrzeug zu fahren. Nachdem ich das also alles erklärt hatte (wie gesagt, normalerweise fragt eigenartiger Weise niemand danach), selbstverständlich in freundlichster Art und Weise und mit einem Sonntagslächeln, guckten die Polizist/innen noch etwas skeptisch, ließen mich dann aber doch passieren.

So machten wir uns auf den Weg Richtung Harare. Der ca. 240km lange Weg von der Grenze geht eher durchs Niemandsland. Ungewohnte Leere und wenn Dörfer, dann ungewohnt ordentlich und gepflegt. Morgens noch hatte ich am Auto festgestellt, dass aus meinem Differenzial etwas Flüssigkeit ausgetreten war und, dass der Schlauch, der für die Luftkühlung des Tanks zuständig sein muss, etwas unmotiviert in der Gegend rumhängt. Ich beschloss, das in Harare checken und ggf. reparieren zu lassen. Doch dazu kam es nicht. Auf dem Weg nahm ich zwei Hitchhiker mit, die auch nach Harare mussten und von denen sich einer, ein Mechaniker, bei unserer Mittagspause schnell unters Auto legte und nachsah. Das Differenzial ist noch voll und der Schlauch wieder fest. Perfekt.


In Harare verbrachten wir dann einen Tag und zwei Nächte. Im Gegensatz zu anderen afrikanischen Großstädten und auch im Gegensatz zu meinen Erwartungen, ist Harare wirklich ganz hübsch. Die alten Häuser im Kolonialstil, neben neuen verspiegelten Bürogebäuden, Einkaufscentren und älteren Kirchen, geben ein schönes Stadtbild ab. Alles ist asphaltiert, was übrigens für fast alle auch nur ansatzweise wichtigen Straßen in Simbabwe gilt. Es fielen mir vermehrt Menschen mit heller Hautfarbe auf, die weniger Tourist/innen, als hier zuhause zu sein scheinen. Einer von ihnen half uns bei der Planung der nächsten Tage.

Wir wollten zu den Victoria Wasserfällen. Aber nicht auf den Hauptstraßen, sondern über die Straßen am, wie wir gehört haben, wunderschönen Lake Kariba. Allerdings wurden wir zuvor oft gewarnt. Es sei Regensaison und die Straßen dort (keine vielbefahrende Gegend, ergo kein Asphalt) könnten schwer befahrbar sein. Ant, ein Simbabwer, der sich sehr gut auskennt und sein eigenes Tourguideunternehmen hat, klärte uns darüber auf, dass es sich um eine Gravel Road (Steinstraße) handelt und dass wir kein Schlamm zu erwarten hätten. Es sei lediglich stellenweise etwas holperig und überhaupt eben keine gute Straße. Was wir nicht genau fragten und er auch nicht so explizit erzählte war, dass es sich nicht wirklich lohnt, die Strecke zu fahren.

Nun, ich dachte, wir kämen ab und zu mal an den See und würden auch sonst eine wunderschöne Aussicht genießen können. Fehlanzeige. Die ersten zwei Tage verbrachten wir viel im Auto auf schlechten Pisten (wobei die ersten ca. 90 km von der Hauptstraße nach Karoi noch Tar sind), sahen den See nicht und bekamen praktisch keine schöne Aussicht geboten. Wir nahmen eine Menge Hitchhiker mit, meist Schüler/innen oder Nonnen und spielten sozusagen den lokalen Nahverkehrsservice. Am ersten Abend, kurz vor unserem geplanten Übernachtungsspot, kamen wir an eine völlig überspülte Straße. Auf dem Weg hatte es viel geregnet, wir waren durch das eine oder andere heftige Gewitter gefahren. Und nun standen wir da, die Straße überspült und ein Haufen Locals, die uns interessiert angafften. Nachdem ich es kurz zu Fuß probiert hatte und bis mehr als knietief ins Wasser gelaufen war, beschlossen wir, es erst mal nicht zu wagen. Was soll ich Henrik erzählen, wenn das Auto in Simbabwe den Fluss runtergespült wurde… Als wir noch so verdutzt dastanden und grübelten, kam ein Bus an, dessen Fahrer nach kurzer Inspektion meinte, der Fluss (bzw. die Überschwemmung der Straße) würde sich bald legen. Die Insassen des Busses, die meisten angetrunken, meinten, wir würden das mit unseren starken Autos schon schaffen. Ich wollte es aber nicht darauf ankommen lassen und beschloss, nachdem die Gesellschaft an diesem Ort nun auch nicht die netteste war und es schon dunkel wurde, umzukehren und in das kleine Dorf einen Kilometer zurück zu fahren. Dort übernachteten wir neben den Unterkünften der Lehrer/innen der hiesigen Grund- und Sekundarschule. Es war noch ein wirklich netter Abend, an dem wir mit den Lehrer/innen zusammensaßen, uns austauschten und das jeweils gekochte Essen gegenseitig probierten. Der nächste Morgen war wiederum etwas eigenartig. Nach dem Aufstehen besuchten wir noch kurz die zwei Schulen. Und obwohl wir ja schon angekündigt hatten, im Gegenzug für die Übernachtung eine Spende dazulassen, betonte die uns herumführende Lehrerin andauernd, welch desaströse (Lehr) Bedingungen hier herrschen. Das war auch nicht zu übersehen, aber es vier Mal in drei Sätzen zu erwähnen ist eventuell etwas zu viel.
Am gleichen Abend, nach einem sehr langen Fahrtag, landeten wir dann endlich das erste Mal an der Küste des Sees. Wirklich schön, gerade auch, weil wir in einem wunderschönen Resort unterkamen. Als wir gerade aufgrund der Preise dankend ablehnen wollten, schraubte die Besitzerin, etwas aus Mitleid, die Campinggebühren von 10US$ auf 5US$ runter (Masumu River Lodge). Das abendlich Bad im Pool und das kühle Bier halfen dann auch dabei, den sich ewig hinziehenden Fahrtag zu vergessen. Ich muss gestehen, nach sechs Monaten unterwegs werde ich allmählich etwas müde und  freue mich umso mehr darauf, Kapstadt in etwa einem Monat zu erreichen.


Am darauffolgenden Tag ging es dann endlich zu den Vic Falls, einem der sieben Naturweltwunder, die wir voller Erwartung gestern besucht haben. Auf dem Weg dorthin durfte der Nissan aber doch noch mal baden gehen. So hat sich Henriks Schnorcheleigenbau (Luftansaufgung nach oben verlegt) doch noch mindestens drei Mal bewährt…